«Ich arbeite konzentrierter und strukturierter als je zuvor»

Eine klassische Karriere hat sie sich nicht ausgewählt: Gleich nach Abschluss ihres Studiums machte sich Barbara Büchel als Lektorin selbständig. Das war nicht einfach, aber gab ihr die Möglichkeit, Beruf und Familie unter einen Hut zu bringen. Heute sieht sie ihre Rollen als Mutter und Unternehmerin im Gleichgewicht.

Barbara, wie regeln Du und Dein Mann die Kinderbetreuung?
Barbara Büchel:
Ich übernehme die «Morgengeschäfte», dafür springt mein Mann nach seiner Arbeit an drei Nachmittagen ein, an denen ich im Zeitungslektorat sitze, oder auch sonst einmal, wenn viele Deadlines zusammenkommen. Grundsätzlich schauen wir, dass beide Elternteile sehr präsent sind; und durch meine freiberufliche Arbeit, bei der es mal mehr und mal weniger zu tun gibt, wird von Woche zu Woche flexibel geschaut, wer was übernimmt. Das «Kräfteverhältnis» ändert sich immer wieder einmal, was mir aber gefällt. Wenn die Strukturen zu eingefahren sind, langweile ich mich schnell. Ich merke aber, dass den Kindern ein fixer Rahmen (zum Beispiel fixe Abholzeiten) guttut.

Als selbständige Lektorin arbeitet Barbara Büchel im Schnitt 20 Stunden die Woche. Sie lebt mit ihrem Mann und ihren beiden Kindern (5 und 7 Jahre alt) in Wien.

Wenn alle Stricke reissen: Wer ist Euer Back-up?
Meine sehr engagierte Schwiegermutter nimmt immer wieder viel Stress aus der Tagesplanung
, indem sie die Kinder von Schule und Kindergarten abholt, mit ihnen in den Park, zum Eislaufen, ins Kindertheater geht oder einfach nur bei uns zu Hause da ist, damit weder mein Mann noch ich früher aus der Arbeit müssen. Meine eigenen Eltern wohnen weit weg, helfen aber auch, wo sie können. Bei ihnen haben die Kinder im Winter Ski fahren gelernt, und im Sommer sind sie jedes Jahr zwei Wochen alleine bei ihnen.

Das «Kräfteverhältnis» ändert sich immer wieder einmal.

Wie organisiert Ihr Euch, wenn Eure Kinder krank sind?
Dass ich flexibler auf solche Situationen eingehen kann, war ein Grund dafür, dass ich mich selbstständig gemacht habe (neben dem, dass mir das selbstständige Arbeiten Spaß macht). Wenn ein Kind tatsächlich krank daheim ist, ist es allerdings schwierig, sich auf das Homeoffice zu konzentrieren. Dann muss ich am Abend und/oder Wochenende Arbeit nachholen. Zum Glück kommt das jetzt, da die Kinder älter sind, nicht mehr oft vor.

Was sollten andere wissen?
Scheut euch nicht, die Dinge immer wieder neu auszuhandeln, wenn sich die Verhältnisse verschieben, einer zum Beispiel wieder mehr arbeitet, sobald die Kinder in Betreuung sind. Sagt offen, was ihr braucht, dann kann euer/e PartnerIn darauf eingehen. Das kommt mir selbst zwar oft mühsam vor, aber es sorgt dafür, dass sich niemand benachteiligt fühlt. Und inzwischen reden die Kinder auch schon ein eigenes Wörtchen dabei mit und sagen, was sie möchten und was nicht.

Freiheit: der Moment am Montagmorgen

Die Art der Betreuung ändert sich mit dem Alter der Kinder, weg von der körperlichen Abhängigkeit. Wie erlebst Du das?
Ganz ehrlich: als Befreiung. Es ist wunderbar, mitzuerleben, wie die Kinder größer werden, was für eine spannende Fantasie sie haben, was sie alles lernen; aber auch, sich selbst wiederzufinden und den Fokus auch bei sich wieder mehr auf die geistige Arbeit zu legen. Es ist leichter geworden, auf die eigenen Bedürfnisse zu hören, seit sie nicht mehr so von mir abhängig sind.

Scheut euch nicht, die Dinge immer wieder neu auszuhandeln.

Freiheit – was bedeutet der Begriff für Dich als berufstätige Mutter?
Der Moment am Montag, wenn alle wieder im Büro, in der Schule, im Kindergarten sind und ich die Wohnung für mich habe – obwohl ich da ja auch am Schreibtisch sitze. Freiheit hängt für mich stark mit Ruhe zusammen, da kommt mir das Arbeiten zu Hause entgegen. Aber ohne den Gegenpol, die Familie als Ansprechpartner und spannendes Chaos, wären solche ruhigen Momente nicht halb so viel wert.
Wunderbar sind natürlich auch Abende ohne die Kinder, nur mit meinem Mann, wenn wir mal ins Kino oder schick essen gehen oder einfach nur spazieren und reden.

Wie entspannst Du Dich?
In der Badewanne. Im Schwimmbad. Beim Zufußgehen. Beim Zeitunglesen oder Schreiben im Kaffeehaus. Solche kleinen Inseln für mich genieße ich ungemein. Es ist aber auch sehr entspannend, mit der Familie eine gemütliche Zeit daheim zu verbringen.

Was hat sich an Deiner Art zu arbeiten geändert, seit Du Mutter bist?
Ich bin ziemlich schnell von der Langzeitstudentin zur Einzelunternehmerin und Mama übergegangen.
Viele Frauen konzentrieren sich ja heutzutage nach ihrer Ausbildung zuerst auf den Job, die Karriere, und bekommen dann irgendwann Kinder, auf die sie sich ganz einlassen, und sie sind froh über diese Veränderung, weil sie nun leiser treten können und das Leistungsdenken in den Hintergrund tritt.
Ich hingegen hatte, als die Kinder noch klein waren, das Gefühl, in meiner Branche nur zu dilettieren. Ich habe erste Erfahrungen gesammelt, mich aber hauptsächlich als Mama gesehen und war eine Zeit lang damit überfordert, weil ich mir selbst nicht in allen Punkten gerecht werden konnte: Man möchte ja Zeit mit den Kindern verbringen, ihnen seine Aufmerksamkeit schenken; andererseits hatte ich das Gefühl, mich noch lange nicht beruflich zurücklehnen zu können. Seit die Kinder jeweils anderthalb Jahre alt sind, sind sie in Betreuung, und inzwischen hat sich diese Balance zwischen Mama und Unternehmerin ergeben, so dass ich zufrieden bin. Ich arbeite nun konzentrierter und strukturierter, als ich es je zuvor war.