Frauen, Fitness und Finanzen

Mehr Sport machen, weniger Zeit mit Social Media verbringen und sich gesünder ernähren: Gemäss einer Umfrage, die Statista in Deutschland durchgeführt hat, waren das die drei beliebtesten Vorsätze für 2020.

Die Kolumne ist Teil der Serie «Mehrwert», des Verbands Frauenunternehmen,
erschienen am 23. Januar 2020 in der «Handelszeitung».

Mehr Sport: Das steht auch auf meiner Liste von möglichen Vorsätzen. Und da beginnt das Dilemma. Löse ich ein Fitnessabo und sichere mir Kraft, Ausdauer und ein langes Leben? Oder nutze ich das Geld lieber dazu, meinen persönlichen Gender Pension Gap zu minimieren? Als Frau bin ich da doppelt angeschmiert. Erstens leben Frauen länger als Männer. Und zweitens bekommen sie im Schnitt ein Drittel weniger Rente als Männer. Fragt sich: Will ich unter diesen Umständen mein Leben wirklich verlängern? Ja, will ich.

Ein Drittel weniger Rente für die Frauen, das leuchtet ja allen vollkommen ein. Schliesslich beträgt der Lohnunterschied noch immer 14.6 Prozent. Wie sollte sich diese Lücke aufs Alter hin plötzlich verkleinern? Die neue Lohnanalyse-Pflicht für Unternehmen ab 100 Beschäftigten wird daran wenig ändern. Und die öffentlichen Diskussionen der letzten Jahre haben deutlich gezeigt, dass die Wirtschaft zu grösseren Schritten nicht bereit ist.

Wir tun also gut daran, uns selbst um unsere Vorsorge zu kümmern – und genau daran hapert es. Unfassbar viele Frauen gehören zur Kategorie «bildungsfern», was die Finanzen angeht. Sie scheuen sich davor, sich mit ihrem eigenen Geld auseinanderzusetzen. Und viel zu viele verlassen sich beim Thema Finanzen ganz auf ihre Männer. Sind die eines Tages weg, kommen sie auf die Welt. Vielleicht ist es dann zu spät, und sie schlittern geradewegs in die Altersarmut hinein. Von der sind Frauen nämlich besonders betroffen. Weil sie häufig weniger verdienen als Männer, weil sie in der Partnerschaft oft die unbezahlte Care-Arbeit übernehmen und sie deswegen ihr bezahltes Arbeitspensum reduzieren. Und wohl auch wegen eines ungünstigen Money Mindset.

Auch für Erwachsene gibt es Hilfe, gottseidank.

Kann man etwas gegen die drohende Altersarmut tun? Ich hoffe, ja. Als Eltern sind wir an der finanziellen Bildung der nächsten Generation beteiligt: Beim Thema Taschengeld. Oder auch in der Art, wie wir mit dem Frust des eigenen Kindes umgehen, weil wir ihm nicht jeden Wunsch erfüllen. Und gottseidank gibt es auch für Erwachsene Hilfe. Das Netz ist voll von grossartigen, oft kostenlosen Angeboten. Finanziell weiterbilden kann man sich ja heute sogar im Fitnessstudio, man braucht nur den richtigen Podcast im Ohr.