Liebe Männer

Es ist an der Zeit, Euch Danke zu sagen. Genau heute. Ihr seid grossartig!

Ohne Euren Einsatz wären wir aufgeschmissen und könnten nicht das Leben führen, das wir führen. Wir müssten pünktlich um 17.45 Uhr in der Krippe stehen, statt nach der letzten Sitzung mit unserem Team den Erfolg zu feiern. Könnten abends nicht länger im Büro bleiben und Überstunden schieben. Wir müssten jede Nacht aufstehen, wenn die Kleinen weinen, statt nur jede zweite. Unsere Kinder hätten ein Dosenravioli-mit-Butterbrot-Trauma, weil in der Küche Kurzarbeit eingeführt würde. Wir müssten uns jedes Wochenende neben dem Fussballplatz langweilen.

Ihr habt begriffen, dass die Ernährerrolle die grosse Falle ist, in die Ihr nicht tappen wollt.

Ihr habt zu wenig Zeit (und Lust), um bei jedem Kindergeburtstag drei Kuchen zu backen. Und Ihr seid pragmatisch genug, dann ohne schlechtes Gewissen drei Kuchen beim Bäcker zu bestellen. Dafür habt Ihr unsere Hochachtung. Ihr seid da, wenn Eure Kinder (und Eure Frauen) Euch brauchen. Ihr erlebt mit, wie Eure Kinder gross werden und Ihr kennt nicht nur ihre Kleidergrösse, sondern wisst, welche Sorgen sie gerade haben. Ihr setzt Euch für Lohngleichheit ein und diskutiert mit Euren Freunden darüber, denn Ihr wisst, dass auch Ihr davon profitiert, wenn wir gleichviel verdienen. Ihr habt keine Lust mehr, die Wochenendpapis zu sein, die Eure Väter waren. Ihr seid eine andere Generation und habt begriffen, dass die Ernährerrolle die grosse Falle ist, in die Ihr nicht tappen wollt. Erst recht nicht nach einer Scheidung.

Ihr wollt die beste Besetzung und nicht den erstbesten Kerl.

Ihr schätzt unsere Flexibilität am Arbeitsplatz und seid selbst ebenso flexibel, wenn es um die Änderung des Pensums geht. Als Vorgesetzte seid Ihr verständnisvoll, wenn wir mal früher nach Hause müssen, um unsere Männer nach einem anstrengenden Papitag abzulösen. Ihr macht keine schlüpfrigen Bemerkungen mehr wie die alten Herren der Generation vor Euch. Bestimmt denkt Ihr Euch Euren Teil, aber das tun wir auch. Ohne Worte ist manchmal besser. Wenn Ihr Verantwortung übernehmt, bezahlt Ihr die Qualität der Arbeit, nicht Mann oder Frau. Und bei der Auswahl von neuen Führungskräften wollt Ihr die beste Besetzung, nicht den erstbesten Kerl.

So nette Worte finde ich nur heute.

Liebe Männer, Ihr habt begriffen, dass die alten Zeiten vorbei sind. Und Ihr wisst: So nette Worte finde ich nur heute. Morgen gehen wir zusammen auf die Strasse. Weil noch nicht alle Männer so grossartig sind wie Ihr.

Die Kolumne ist Teil der Serie «Mehrwert» des Verbands Frauenunternehmen,
erschienen am 13. Juni 2019 in der «Handelszeitung». Am Tag danach fand der nationale Frauenstreik statt. In der Schweiz und in Liechtenstein gingen mehr als 500’000 Frauen und Männer auf die Strasse, um ein Zeichen zu setzen – für Lohngleichheit und gegen die Gewalt an Frauen.