«Es ist jetzt einfach so.»

Ist Pragmatismus das Rezept für ein gutes Leben? Heike Sprenger, Abteilungsleiterin bei der Stadt Feldkirch, klingt gelassen, wenn sie über ihren Alltag als alleinerziehende Mutter spricht. Und sehr zufrieden. 

Frau Sprenger, Sie nehmen sich regelmässig Zeit nur für sich. Wie?
Heike Sprenger:
Ich arbeite 80 Prozent, dabei bleibt ein freier Vormittag für mich alleine. Diese Zeit ist mir sehr wichtig, und ich geniesse sie. Alle anderen Zeiten, zu denen ich nicht arbeite, ist mein Sohn mit mir. Das heisst, man braucht ein sehr flexibles Kind, das auch vieles mitmacht.

Zum Beispiel?
Auf Veranstaltungen gehen oder Sport treiben. Mein Sohn hat sehr früh zu klettern begonnen, weil ich das immer getan habe, und er war stets dabei.

Teilzeit ist auch für mich als Führungskraft möglich.

Stellen Eltern heute ihre Kinder zu oft mit Spezialprogrammen in den Mittelpunkt, anstatt sie Teil des ganz normalen Lebens sein zu lassen?
Wir stellen nicht grundsätzlich das Kind in den Mittelpunkt, aber wir machen sehr viel Brimborium um die Erziehung. Als Mutter ist man heute so unheimlich beraten: Da wird pädagogisiert und gefördert, aber diesen Anspruch habe ich nicht. Ich glaube, Kinder erlangen viel mehr Selbständigkeit, wenn man sie mal alleine machen lässt. Ich dachte nie: Jetzt bekomme ich ein Kind, und dann gibt es nichts anderes mehr. Die Zeit mit meinem Sohn geniesse ich sehr, aber ich liebe auch meine Arbeit. Mir würde die berufliche Bestätigung sehr fehlen, wenn ich weniger arbeiten würde. Ich denke, was ich tue, ist sinnvoll. Und ich tue es gern.

Meine Mama war immer da, wenn ich sie gebraucht habe.

Wie sind Sie aufgewachsen?
Meine Mutter hat immer gearbeitet. Sie ist Ärztin, ich bin noch während ihres Studiums zur Welt gekommen. Meine Mama war immer da, wenn ich sie gebraucht habe. Das ist das Um und Auf.

Heike Sprenger

Seit 12 Jahren leitet Heike Sprenger in der Stadtverwaltung Feldkirch (A) die Fachbereiche Jugend, Ehrenamt, Integration & Familie. Mit ihrem Sohn Leon (7 Jahre) lebt sie in Viktorsberg, einem Dorf mit rund 400 Einwohnern. Seit Leon zur Schule geht, besucht er eine Ganztagesklasse in der nächstgrösseren Gemeinde.

Haben Sie Ihre Mutterschaft als Karriereknick erlebt?
Nein. Als ich in Mutterschaftsurlaub ging, wurde darüber diskutiert, ob ich meine Abteilung auch in Teilzeit leiten könne. Ich bin der Meinung: Meine Mitarbeiter sind selbständige, gut ausgebildete Menschen. Teilzeit ist deswegen auch für mich als Führungskraft möglich. In der Realität verbringe ich nur einen kleinen Teil meiner Arbeitszeit mit Führungsaufgaben.

Sie sind also nach dem Mutterschaftsurlaub mit einem 60%-Pensum in Ihre Führungsposition zurückgekehrt.
Ja. Ich mache das, was ich mache, gern und mit Herzblut. Und ich habe nicht den Eindruck, dass mein Kind mich in meinem Tun einschränkt. Im Gegenteil: Es hat mir sehr viel Gelassenheit geschenkt.

Soll er einfach der coole Ferienvater sein?

Was fordert Sie besonders heraus?
Die Distanz zu Leons Vater. Er lebt seit einem guten Jahr in Frankreich. Für Leon ist das eine ganz neue Situation, und auch für mich ist es eine Herausforderung, die Kind-Vater-Beziehung so zu unterstützen, dass es auch auf Distanz funktioniert. Wir müssen erst herausfinden, wie wir mit diesem Vater umgehen. Soll er einfach der coole Ferienvater sein? Aber die Situation ist jetzt einfach so. Wir müssen versuchen, das auf die Reihe zu bekommen. Mit Leon kann man ja inzwischen sehr gut reden.

Sie und Ihr Sohn – Sie sind ein gutes Team.
Ja, das sind wir. Wenn ich ihn aus der Schule abhole und wir noch ein paar Stunden Zeit miteinander haben, dann verbringen wir die möglichst positiv. Ich bin eine sehr geniessende Alleinerziehende.