Warten

Am Ende ist man froh, dass man sich so gut mich sich selbst versteht.
Warten am weiss gedeckten Tisch.

Wer pünktlich oder gar verfrüht zum Mittagessen im Restaurant erscheint, den erwartet dort mitunter: niemand. Dazu gesellt sich eine grosse Frage: Was jetzt tun?

Erst einmal der Versuchung widerstehen – das Telefon bleibt in der Tasche.

Und dann? Sich in Ruhe umsehen. Zählen, wie viele Männer und Frauen im Lokal sitzen. Über die Einführung einer Frauenquote für gewisse Restaurants nachdenken. Sich fragen, was genau der Mann da drüben mit der Bewegung seiner Zunge hinter seinen Fingern gemeint hat. Sich ausdenken, welcher der Anwesenden Versicherer, Top-Journalist oder Anzeigenverkaufsleiter ist. Sich fragen, ob man vielleicht besser daran getan hätte, am Vorabend eine Erinnerungsmail an die Lunchpartnerin zu schicken. Schliesslich doch das Telefon aus der Tasche holen, um auf die Uhr zu schauen. Bemerken, dass die akademische Viertelstunde grosszügig überschritten wurde. Beobachten, dass man sich an anderen Tischen auch trotz Gesellschaft prächtig langweilen kann. Froh sein, alleine dazusitzen. Der Kellnerin fürs Nachgiessen danken. Und dem Schicksal für die geschenkte Zeit. (Derweil verlassen die ersten Gäste das Lokal.) Sich entspannen. Sich sagen, dass man noch fünf Minuten wartet. Sicherheitshalber den Interviewtermin am kommenden Nachmittag per Mail nochmals bestätigen lassen. Auf das Happy End vertrauen. Tatsächlich bestellen. Froh sein, dass man so gerne Zeit mit sich selbst verbringt. Essen. Geniessen.